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Ruth Knecht - Hasenpaarwolke

Knochenarbeit 2011

Am 11. März eröffneten Anja und ich meine Ausstellung im Hinterhofsalon Köln. Ein ganz neues Bild zeigte den Gartenzwerg mit Kirschblüten und Feuer, entstanden, als ich mich mit Menschenknochen und dem Kreislauf des Lebens in meinem Garten beschäftigte.

An diesem Tag nahm die Katastrophe von Fukushima ihren Lauf, die Tragödie im Land der Kirschblüten, kurz vor dem Fest. Anjas Freundin versuchte, ihre japanischen Freunde zu erreichen.

1986, nach der Katastrophe von Tschernobyl, schnitt ich meinen Schnittlauch vor dem Haus, verpackte ihn in Briefchen und verschickte ihn als mail-art unter dem Titel Kunstwerk nach Köln, Berlin und anderswo. Gegessen sollte er nicht mehr werden.

Und so kam alles zusammen: Was mich in meiner Kunst ohnehin beschäftigte, verband sich mit der Erinnerung an den Schnittlauch. Was mich damals als Mutter eines kleinen Kindes bewegte, vermischte sich mit der Frage, warum wir daraus nichts gelernt haben.

1986 haben wir erfolgreich verdrängt. Unser Wohlstand ist bequem, verschlingt ungeheure Mengen an Energie und zieht Konsequenzen nach sich, die wir am liebsten gar nicht sehen wollen.

Als Künstlerin habe ich keine Rezepte für eine bessere Welt. Nur zu gut weiß ich, dass auch ich vom ungeheuren Reichtum unseres Landes, verglichen mit den meisten anderen, profitiere. Ich habe mich für die leisen Töne entschieden. Schweigen wäre falsch gewesen. In der Erinnerung an den Schnittlauch und die verstrahlten Früchte meines Gartens schwingt Wehmut mit, meine Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Was die Zwerge denken, weiß ich nicht, was die Hasen empfinden, kann ich nicht sagen. Auslöffeln müssen wir die Bescherung alle, heute und unzählige nachfolgende Generationen lang.

www.ruthknecht.de

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