(…) vermutlich in den 20iger jahren des prosperierenden berlins. losgelassen. zwischen
zwei brutalen kriegen. unrecht und verderben. in dieser jener zeit macht sich ein wis-
senschaftler und geschäftsmann (dr. med. bruckheimer) auf zu einer expedition in
den pazifik. dies ist tagebuchseiten zu entnehmen, die im zuge des wiedervereinten ber-
lins gefunden wurden. ausgegraben. in koffern versteckt. zugesandt. zugeflogen. ohne
ordnung, ohne reihenfolge. teils unvollständig und nur bruchstückhaft.
diese blätter sowie artefakte und einschließungen (besonders konservierte und im still-
stand festgehaltene pflanzenteile und nahrungsmittel) zeugen von einem entdeckten volk
abseits unserer gesellschaft. versteckt und somit von uns unbeeinflußt. eine wahrhaftige
parallelwelt. eine projektionsfläche. ein versuchsaufbau.
in der ersten olomen-ausstellung sieht man die tagebuchskizzen und einschließungen als
ersten hinweis auf das volk der olomen.
die olomen faszinieren durch ein scheinbar unendliches, ungefilterstes wissen – in ihnen
ruht das gesamte kollektive wissen des universums. sie sind somit eine echte parallel-
welt. in ihnen finden wir die 16 theoretischen versuche das universum zu erklären, aber
auch die außerordentlichen kapazitäten menschlicher gedächnisfähigkeiten, wie man sie
nur von „savants“ also autistisch veranlagten menschen kennt. diese übernatürlichkeit
ermöglicht uns, die olomen als projektionsfläche unserer gesellschaft zu verwenden –
die olomen sind ein volk in einem reinraum – also ein nahezu perfekter versuchsaufbau.
an ihnen können wir strömungen aufzeigen und krankheiten isolieren – verhalten neu erkennen.
sie haben ein eigenes sprachsystem. klicks. sprachfragmente. ein auf gefühlen und
erkenntnissen ruhendes rechtssystem. sie haben einen völlig differenten geoatlas, der in
seiner ersten form noch von „durchstossungen“ ausgeht und später in seinen grundzü-
gen sich der lehre castanedas annähert. ihre staatsform entspricht einer in uns ruhen-
den utopie einer gesellschaft in gerechtigkeit und gleichheit ohne kasten und entbeh-
rungen – in fortschrittt und maximaler entwicklung lebend. sie steht als methaper zu
paradies und kennt keine unterdrückung und gierige macht-sehnsüchte. und noch viel
mehr.
diese geschichte eines entdeckten volkes, das einfache volk der olomen, soll uns einer
utopie näherbringen, den betrachter gerade durch die romantische art der erzählung ein-
fangen und mit theorien konfrontieren. die geschichte der olomen wird kein ende besit-
zen und auch nie in gänze erklärt werden können. die olomen sind ein illustriertes gedan-
kenexperiment, welches mit hilfe der kunst seine darstellung erhält. dabei ist es die kon-
zeptkunst, die das am besten kann. prozesshaft, interdisziplinär. (…)

der turm.

der george-grosz-platz ist einer der wenigen erhaltene orte des im zweiten weltkrieg zerstörten berlins. er steht als ensemble für die zeit bruckheimers, dem virtuellen entdecker der olomen. aber auch sein name zeigt einen wichtigen gedanken dieser zeit auf. der deutsche expressionismus entsprang in diesen augenblicken zwischen lust und verderben einer der wichtigsten metropolen der welt dieser zeit. george grosz bewies als einer der wichtigsten protagonisten dieser bewegung den aufbruch der kunst in die moderne.
der george-grosz-platz ist der ort des ausblicks auf die olomen und gleichzeitig weg zu ihnen. der turm als symbol der observation. aussicht, forschung und bewachung – schutz vor ausbruch und flucht – weiterer horizont für überblick und weitsicht. der turm macht den menschen in seinem sein größer.
die olomen wußten schon früh, das die erde eine kugel ist. die durchstoßungstheorie ist deshalb fest in ihrem glauben an ihr universum verankert. die tangente durch die kugel ergibt den direkten weg zur anderen seite der welt. dieses geometrische gesetz ermöglicht die genaue vermessung aller variablen. aber sie steht auch für die vorstellungskraft. der direkte weg zur anderen seite als ein element des lebensentwurfs. tag und nacht. schwarz und weiss. laut und leise. liebe und hass. lust und verderben. der turm steht für ein brückenkopf dieser durchstoßungstheorie.
die aussichtsplattform in die gesamte welt, als schnittstelle zum kollektiven gedächtnis. gestern, heute, morgen. viele millionen paralleluniversen sind an diesem punkt zu betreten. spiegel und projektion. die olomen stehen somit für eine ganze welt des wissens – wir haben möglichtkeit mit dieser welt kontakt aufzunehmen.
das unerreichbare fenster und geräusche von der anderen seite. die soundinstallation motiviert die neugierde und zeigt über ihre unerreichbarkeit das zum scheitern verurteilte absolute wissen unserer klassischen denkweisen. es ist ein fenster in eine andere welt, die wir ersteinmal nur hören können – wir können nicht hindurchschauen, wir werden nicht zum ursprung des geräusches kommen. der turm ist wachturm und schutz vor ausbruch und flucht. so scheint es.
diese dualität ist das zweite element des einfachen volk der olomen. das einfache volk der olomen 002.2006. der turm.

in zusammenarbeit mit irene suhr (1 und 2), wolfgang glum (2) (soundinstallation), drita parduzi (2) (internet)