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KO*OP Kastner&Moretto (otterom)

KO*OP Kastner&Moretto (otterom)

free interpretation:

Gertrud Schleising

zu KO-OP / Abbruch - eine Ausstellung in der Galerie Herold Bremen, von Paolo Moretto & Peter Kastner

Guten Abend,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen hier in der Ausstellung der Künstler Paolo Moretto & Peter Kastner,
die aus Hamburg zu uns gekommen sind

Zur Einführung in die Ausstellung haben wir ein Gespräch geführt,
aus dem ich euch / Ihnen jetzt gerne allerhand Wissenswertes weitergeben möchte.

Wir haben uns am Montagnachmittag hier getroffen, die Künstler hatten ihre Ausstellung
gerade aufgebaut - das dauerte übrigens kaum 3 Stunden,
und wir haben es uns hier auf diesem gepolsterten Sofa auf herrlichen Blüten bequem
gemacht.
Moretto & Kastner haben für diese Ausstellung den Titel KO-OP, Untertitel „ABBRUCH“
gewählt.
So habe ich mich im Vorfeld schon mal zu Begriff und Definition von KOOPERATION
schlau gemacht und habe den beiden zunächst das Ergebnis meiner Recherche vorgelegt.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Ansätzen von Kooperation
unterschieden

1. Die synergetische Kooperation, in der etwas Neues entsteht, zu
dem die Partner allein nicht in der Lage wären.
2. die additive Kooperation, in der die Kooperationspartner
Prozesse oder Abläufe zu Zwecken der Optimierung bündeln .

Ich wollte wissen, wie Paolo und Peter ihre KO-OP verstehen?
„Wir arbeiten synergetisch. Die Einfälle des einen inspirieren den anderen und daraus
entwickeln sich immer wieder neue Ideen, auf die wir im Alleingang vermutlich nicht
gekommen wären. Wir sind Kollaborateure, aber wir verzichten lieber auf diesen allzu
negativ behängten .Begriff“

Dabei ist Kollaboration (lat. co- = „mit-“, laborare = „arbeiten“) eigentlich nichts anderes als die
Zusammenarbeit mehrerer Personen oder Gruppen. In den Wirtschaftswissenschaften und im
Englischen existieren collaborate und cooperate als gängige Begriffe nebeneinander.

In Konfliktsituationen hingegen wurde und wird der Begriff Kollaboration eher abwertend verwendet.
Er bezeichnet dann die Zusammenarbeit einheimischer Gruppierungen mit fremden, als Kolonial- oder
Besatzungsmächte angesehenen Kräften. Soviel dazu….
„Also Kooperation ja, aber Optimierung, nein das ist unser Thema nicht.
Eher sind es stadtplanerische Vorgänge, dass manche Denkmäler gepflegt
und andere abgeräumt werden und damit verbunden die Setzungen und Sichtweisen,
die von oben vorgegeben werden,das interessiert uns und schlägt sich in unseren Arbeiten
nieder.
Ich fragte die beiden, ob es auch „echte“ Kooperationspartner gebe,
mit denen sie beispielsweise Leerstände oder frei gewordene Flächen bespielen.
“Bislang nicht“, sagen die beiden. „..wenn es Anfragen gäbe, ja…
…aber wir suchen nicht danach.“

Die KO-OP Moretto & Kastner besteht seit nunmehr 15 Jahren.
Sie entstand auf Grund eines Vermietungspatzers, - bitte fragen Sie nachher gern mal
nach…..

Zweitens wollte ich wissen, warum die Ausstellung den Untertitel Abbruch trägt.

Die beiden verweisen auf die Einladungskarte, die sie vor ihrem ehemaligen Atelier zeigt.
Die Räumlichkeiten werden seit Kurzem von einem Abbruch-Unternehmen genutzt.
Moretto & Kastner stehen also vor dem Abbruch, der symbolisch für sie einen
Neubeginn erforderlich macht.

Im Bauwesen bezeichnet Abbruch das komplette oder teilweise
Zerstören und Entsorgen von Bauten aller Art.
Dabei kommen Verfahren wie Einreißen, Abtragen, Demontieren oder
kontrollierte Sprengungen zum Einsatz.
Stadtplanerisch ist Rückkbau häufig die Folge von
Bevölkerungsrückgang, Abriss aus sozialen Gründen.
Denken Sie nur an O-Te, Neuwieder Straße 2004
vielfach folgt auf Abriss investitionsgesteuerter Neubau,
schaun Sie doch mal an der Bahnhofstraße / Ecke Herdentor vorbei

Für Moretto & Kastner beinhaltet jeder Abbruch ABER auch einen Eingriff in Bewertungen:
Ebenen werden verschoben, es wird am gesellschaftlichen Denken gesägt,
demontiert, eingerissen und im gleichen Atemzug wird anderes indirekt aufgewertet.
Und was nun aber wird vorgesetzt? Was wird abgeräumt?
Was kann bleiben – Was soll weg.
Moretto & Kastner ergänzen die Reihe der Fragen mit:
„Was muss bleiben – was muss weg???“
Der Sozialismus ist noch nicht vom Tisch“, sagen sie und
Wir sind fürs Verteilen. - Kapitalismus kann DOCH keine Endlösung sein!“

Die Künstler stellen ALSO Fragen, sie geben sie weiter in ihrer Kunst
auch wenn es sich dann vielfach um Aussagen handelt wie beisspielsweise
Die KO-OP BAUT
also schaun wir uns die Exponate genauer an.

Auf etlichen Bildern sehen wir beide, die KO-OP, die Partner
dazwischen bunt-dekorative Bildelemente, Blüten, Ranken, halbierte Nashörner
Elemente und Zitate aus der Pop-Kultur, die ihre eigene Jugend begleitete.
Streifen unterteilen die Bilder oder verbinden einzelne Bildflächen,
auf denen unter anderem Lenin, Marx und Mao zu sehen sind.
An Polit-Parolen erinnernde Wortfetzen schlagen uns entgegen:
Yoga fürs Kapital –DIE KO-OP BAUT - Profit - für wen???
die rote Fahne weht zwar nicht, sie bestimmt aber mit ihrer dominanten Farbe den
Raum und sucht auf den Bildern nach „Genossen“.

Moretto & Kastner verwenden Ölfarben, dazu auch Industriefarbe,
die den Vorteil hat, dass sie schnell trocknet.
Faserschreiber kommen zum Einsatz, Gaffa- und Isolierband verbinden Papier und Textil.
Es entstehen eigene Fahnen und patchworkartige Wandbilder, sie nähen sie zusammen
an der Nähmaschine…

.

Hier auf diesem Diptychon tragen die Kooperationspartner Hüte aus Rembrandts
Nachwache, statt mit Gewehr und Spießen sind sie mit Besen bewaffnet.
Im oberen Bildviertel, jeweils ein Flower-Power- Feld , Tapete mit Klebeband fixiert.
Die Nacht wird mit einem kräftig-dynamischen Kehraus zum blühenden Tag.
Die zwei Arbeiten sind mit einer Kartenhalterung schlicht und einfach aufzuhängen
und für Transporte praktisch aufrollbar.
„Wir haben auch größere Bilder, aber dann hätten wir ein Auto mieten müssen….
Praktische Erwägungen machen die Kunst der beiden flexibel und mobil, sind sie doch
nicht dem Auto verfallen wie die italienischen Futuristen, die Schnelligkeit und
Motorenstärke mit Fortschritt gleichsetzten.

Hinten im kleinen Ausstellungsraum sehen Sie eine Pappstadt.
Ein Bausatz aus industriellen Materialresten – nur sparsam kommt Klebstoff zum Einsatz .
So ist auch diese Installation mit dem Hinweis „Wir lieben Bremen“….handlich und
rückbaubar.

Die 4 s/w –Screenshots,
zwei sehen Sie hier an der Wand, zwei weitere befinden sich im Foyer –
stammen aus der Performance „Stalin & Molotow in Eisen“.
Moretto & Kastner tragen Masken, - sehen sie hier an Wand sehen.
und erzeugen mit Eisenblechen, die sie hin- und herbiegen metallene Geräusche.
Im Hintergrund hört man eine Rede des Sowjet-Diktators, die Künstler haben sie digital
bearbeitet.
„Stalin, der Totengräber des Kommunismus und sein Außenminister Molotow, auch
Eisenarsch genannt, sind häufig Exponenten unserer dadaistischen Performances,“
erklärt mir Moretto.
„Uns interessiert die ungeheure Zwiespältigkeit dieser Polit-Beziehung.
Molotow war Stalin absolut ergeben, er himmelte ihn förmlich an und bezeichnete ihn auch
gern als Bruder. Soviel Verehrung wollte und konnte Stalin nicht ertragen, er hielt sich für
keinen guten Menschen und hat viele Verehrer deshalb umbringen lassen. Insofern hatte
Molotow Glück….,“ Auszug aus der Geschichte
Am 23.Mai werden Moretto und Kastner eine neue Performance zeigen.
Als Stalin und Molotow servieren sie dann einen futurischen Leckerbissen à la Marinetti.

An dieser Stelle - im Vorfeld und zum Mund wässerig machen - noch ein paar Worte zu
Marinettis künstlerischem und politischem Werdegang:
Der Verfasser des „Futuristischen Manifestes“ hatte eine Vorliebe für Schnelligkeit und
rasenden Takt. Zeitweise kooperierte er als Minister an der Seite Mussolinis.
In flammenden Ansprachen plädierte er für die Abschaffung der Monarchie, des Papstes,
der Bürokratie, des stehenden Heeres, der Gerichte, der Polizei, der Gefängnisse
und der Ehe.
Er favorisierte den „metallisierten Mann“ welcher, weiblichen Reizen gegenüber
unempfindlich, die Möglichkeit zur Selbstreproduktion in sich trägt
Als Marinetti 1921 seine große Liebe Benedetta Cappa heiratet, verstößt er gegen sein
eigenes Eheverbot. Wenig später wendet er sich von der Politik ab.

Dem Literaten, der den dynamisch zukunftsorientierten Charakter des neuen Italiens
propagierte, gelang es, den Futurismus als Kunstrichtung zu etablieren.
1934 wird Marinetti von Gottfried Benn im Namen der Union Nationaler Schriftsteller in
Berlin als „Exzellenz Marinetti, Führer der Futuristen, Mitglied der Königlichen Italienischen
Akademie und Präsident des italienischen Schriftstellerverbandes“ begrüßt.
Jetzt wissen Sie mehr….
Moretto und Kastner werden am 23.Mai Oliven, Chinakohl und Artischocken servieren,
soviel steht fest…

Lassen Sie mich nun zum Abschluss einige, wenige Strophen aus einem Gedicht
von Johannes Becher zitieren. Es trägt den Titel „Danksagung „ und ist erschienen in

Du Welt im Licht / Stalin im Werk deutscher Schriftsteller, Aufbau-Verlag Berlin,1954

„Danksagung“

[3]
Es wird ganz Deutschland einstmals Stalin danken.
In jeder Stadt steht Stalins Monument.
Dort wird er sein, wo sich die Reben ranken,
Und dort in Kiel erkennt ihn ein Student.

[5]
Allüberall, wo wir zu denken lernen
Und wo man einen Lehrsatz streng beweist.
Vergleichen wir die Genien mit den Sternen,
So glänzt als hellster der, der Stalin heißt ...

[6]
Dort wirst du, Stalin, stehn, in voller Blüte
Der Apfelbäume an dem Bodensee,
Und durch den Schwarzwald wandert seine Güte,
Und winkt zu sich heran ein scheues Reh.

[8]
In seinen Werken reicht er uns die Hand.
Band reiht an Band sich in den Bibliotheken,
Und niederblickt sein Bildnis von der Wand.
Auch in dem fernsten Dorf ist er zugegen.

[9]
Mit Marx und Engels geht er durch Stralsund,
Bei Rostock überprüft er die Traktoren,
Und über einen dunklen Wiesengrund
Blickt in die Weite er, wie traumverloren.

[12]
In Dresden sucht er auf die Galerie,
Und alle Bilder sich vor ihm verneigen.
Die Farbentöne leuchten schön wie nie
Und tanzen einen bunten Lebensreigen.

[25] Vor Stalin neigt euch,
laßt euch senken!
Es soll ein ewiges Gedenken sein!
Erhebt euch, Fahnen,
und weht im Gedenken an Stalin
bis hinüber an den Rhein.

Fahnen,

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit !
Die Ausstellung ist eröffnet, -
ich wünsche euch einen kontrastreichen Abend
und bitte:
Sprecht die Künstler gerne selber an.

  • max jones (maxwutzler11111)
  •  Lothar   Mattejat  (lotron)
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Gianfranco Ferlazzo (Pittore)

Gianfranco Ferlazzo wrote on May 13, 2011 12:25:

Una ventata di cose belle e nuove:):) Ciaooooooooooooooooooo